Die elektrische Abfahrtsmaschine von Cube auf dem Prüfstand

Das Cube Stereo Hybrid 160 SL 2021 im Test

14. September 2021
Das Cube Stereo Hybrid 160 SL 2021 im Test

Mit 160 mm Federweg hinten und 170 mm an der Front besitzt das Stereo mehr als ausreichend Hub für die meisten Trails. Das Stereo Hybrid 160 rollt auf den kleineren 27,5 Zoll Laufrädern und ein Carbonrahmen gibt dem Bike eine hochwertige Optik. Die Ausstattungsvariante “SL” sitzt in der Mittelklasse der Stereo Hybrid 160 zwischen den RACE und SLT/TM Modellen, wobei das RACE den Einstieg bietet und die SLT Variante das Topmodell der Stereos darstellt. Die verbauten Komponenten spiegeln die Preisklasse wieder. Schlau ausgewählt, sind zwar nicht die High End Parts verbaut, jedoch kommen funktionell solide Komponenten zum Einsatz.

E-Antrieb

Cube setzt seit vielen Jahren auf das Bosch System. So kommt auch an unserem Testbike der bewährte Performance CX Motor mit 85 Nm Drehmoment und der Powertube Akku mit 625 Wattstunden zum Einsatz. Als Bedienelement und Display dient das kompakte aber hochwertige Kiox.

Komponenten

An der Front findet man die Rock Shox Zeb mit wuchtigen 38 mm Standrohren. Gestoppt wird das Bike mit Magura´s MT4 Scheibenbremsen und ein SRAM NX/SX Eagle Antrieb überträgt die Motor- und Pedalkraft. Nur der Rock Shox Deluxe Dämpfer ohne Piggyback (Ausgleichsbehälter) überrascht angesichts des angepeilten Einsatzbereiches etwas. Bei Cube üblich, jedoch meistens nicht unbedingt hervorgehoben, ist die hochwertige und sinnvolle Bereifung. Ein Maxxis Assegai mit stabiler DoubleDown Karkasse hinten und EXO-Plus Reifen vorne sorgen mit weicher Gummimischung für extra Grip und Durchschlagschutz. Etwas kurz ist die Variostütze mit 150 mm Verstellbereich für Rahmengrößen M,L und XL ausgelegt. An vielen modernen Bikes kommen zumindest ab Rahmengröße L Sattelstützen mit 170 mm und mehr zum Einsatz. Für große Fahrer empfehlen wir eine Sattelstütze mit mehr Hub nachzurüsten.

Rahmendesign

Wie oben schon angesprochen, wirkt das Stereo durch den Carbonrahmen, die im Rahmen verlaufenden Leitungen und den InTube Akku optisch Clean und aufgeräumt. Der Akku ist in Cubes eigenem “Modular Battery System” integriert und durch ein Schloss gesichert. Zusätzlich schützt eine leicht zu entfernende Plastikabdeckung den Akku vor Steinschlägen und Schmutz.

Geometrie

Mittlerweile ist die Geometrie unseres getesteten Bikes aus dem Modelljahr 2021 etwas in die Jahre gekommen und wurde für das Modelljahr 2022 mit einem neuen Rahmen für die Größen M,L und XL angepasst. Der S Rahmen bleibt jedoch gleich zum Modelljahr 2021.

Die Geometrie der neuen Rahmen ist am Reach um ca. 1,5 - 2,5 cm gewachsen (je nach Rahmengröße) und sowohl das Steuerrohr als auch das Sitzrohr sind kürzer geworden. Diese Anpassungen sorgen für mehr Platz für längere Variostützen mit größerem Hub und führen zu einer sportlich ausgelegteren Sitzposition. Gerade für große Fahrer ist der längere Reach des Modells 2022 von Vorteil. Der Sitzwinkel wurde ebenfalls um ein halbes Grad steiler gehalten, was die Klettereigenschaften gegenüber unserem getesteten Modell etwas verbessern sollte. Dazu aber in den folgenden Abschnitten jedoch mehr.

Zum Testablauf

Bevor wir mit dem Stereo 160 Hybrid auf die Trails gehen, muss ein Grundsetup erfolgen. Das Cockpit wird nach Fahrerpräferenz eingestellt und hier fällt auf, dass der Lenker mit 760mm Breite für ein Bike in Rahmengröße XL relativ schmal ausfällt (am Modell 2022 780mm breit). Nachdem wir einen breiteren Lenker für mehr Kontrolle bevorzugen, haben wir diesen direkt getauscht. Hier spielt jedoch der Einsatzzweck des Bikes und die Präferenz des Fahrers eine große Rolle.

Fahrwerkssetup

Dank aufgedruckter SAG Skala am Dämpfer und Drucktabelle an der Gabel ist das Grundsetup schnell erledigt. Das Fahrwerk fühlte sich gut ausbalanciert an mit 30% SAG am Dämpfer. Leider sind am SL nur die einfachsten Varianten von ZEB Gabel und Deluxe Dämpfer verbaut, die nur eine Zugstufeneinstellung und keinerlei Druckstufeneinstellung erlauben. Beim Preispunkt des 160 SL ist das aber auch nachvollziehbar. Nach der Einstellung der Zugstufe Gabel und Dämpfer ist das Bike bereit für den ersten Einsatz im Gelände.

Das Fahrverhalten

E-Antrieb

Die Power des Bosch Antriebs lässt eigentlich keine Wünsche offen. Auch steile Uphills mit technisch forderndem Untergrund sind für den Performance CX Motor kein Problem. Die Antriebskraft des Motors ist auch in anspruchsvollem Gelände gut kontrollierbar, allerdings ist der adaptive E-MTB Modus unserer Meinung nach am besten für steile und Kraftintensive Anstiege geeignet. Die variable Unterstützungskraft macht das Handling bei wechselnden Steilheitsgraden oder in kurvigem Gelände einfacher und trotzdem reicht die maximale Power auch für die steilsten Rampen.

Die Reichweite des 625 Wh InTube Akku hängt extrem davon ab, welche Unterstützungsstufe gewählt wird, wie steil das Gelände ist und wie hoch die Trittfrequenz während des Uphills gefahren wird. Mehr dazu in einem gesonderten Artikel.

In puncto Geräuschentwicklung ist der Bosch Motor sicher nicht flüsterleise, diese hängt allerdings auch von der Resonanz des Rahmens ab und kann deshalb in anderen Bikes stärker oder schwächer ausfallen. Im Cube ist die Geräuschentwicklung eher unterschwellig und definitiv nicht störend.

Uphill

Fährt man keine besonders steilen oder technisch anspruchsvolle Anstiege, ist das Stereo Hybrid 160 durchweg positiv zu bewerten. Etwas anders sieht es bei eben diesen anspruchsvollen Anstiegen aus. Die Sitzposition ist zwar definitiv bequem, der flache Sitzwinkel und der eher kompakte Radstand bringen den Fahrer aber nicht unbedingt “ins Bike”, sondern man hat viel mehr das Gefühl, etwas über dem Hinterrad zu sitzen. Auch wenn man den Sattel nach vorne schiebt, ist die Sitzposition noch nicht optimal. Das hat zur Folge, dass der Vorderreifen dazu neigt den Bodenkontakt zu verlieren und die Kontrolle über das Bike verloren geht. Schade, denn der große Federweg kombiniert mit dem starken Antrieb machen technische Climbs möglich, die mit einem nicht motorisierten Bike schlichtweg nicht möglich wären.

Downhill

Auch in der Abfahrt macht sich der kompakte Radstand bemerkbar. Aber nicht zwingend negativ. Ein langer Radstand und flacher Lenkwinkel verleihen einem Rad stabilität. Der verhältnismäßig steile Lenkwinkel und kurze Radstand des Cubes geben ihm hingegen ein direktes Lenkverhalten und das hohe Eigengewicht sorgt trotzdem für relativ viel Laufruhe. Gerade auf kurvigen Trails mit genug Gefälle macht das Cube mächtig Spaß. Der niedrige Schwerpunkt von Motor und Akku behindern das Bike bei Kurvenwechseln nicht und sorgen durch das erhöhte Eigengewicht für präzises und berechenbares Handling.

Anders sieht es in anspruchsvollem Terrain aus. Ob es am wenig einstellbaren Fahrwerk liegt oder an der Geometrie des Stereo 160 ist etwas schwer zu sagen, allerdings kommt das Bike in ruppigen und steilen Gelände schneller an seine Grenzen. Wie von anderen Testern schon kritisiert, ist auch uns aufgefallen, dass der Hinterbau den Federweg relativ schnell freigibt und wenig Durchschlagsschutz bietet. Bei Kurvenfahrten und in Anliegern reicht der Gegendruck von Gabel und Hinterbau aus, will man allerdings durch Steinfelder oder Wurzel Teppiche hämmern, gerät das Bike etwas aus der Fassung. Hier hat das Modell 2022 ein Upgrade bekommen und die Kennlinie wurde progressiver, sodass die angesprochenen Probleme behoben sein sollten.

Einsatzzweck

Beim Stereo Hybrid 160 SL ist der beabsichtigte Einsatzzweck stark zu beachten. Wie oben bereits angesprochen, bietet das Bike eine komfortable Sitzposition für die meisten Strecken. Der Deluxe Dämpfer in Kombination mit dem linearen Hinterbau gibt den Federweg recht großzügig frei, was bei Vollgas-Abfahrten zwar leicht schwammig wirkt, dafür im Toureneinsatz für ein weiches Fahrverhalten mit viel Traktion sorgt. Du solltest dir vor dem Kauf des Bikes also bewusst sein, ob du ein Bike für ausgedehnte Touren in flowigem bis mittelschwerem Terrain suchst und wert auf viel Komfort legst, dann bist du beim Stereo Hybrid 160 an der richtigen Adresse. Liegt dein Einsatzgebiet eher in verblockten Trails und du gibst gerne maximal Gas bergab, dann bist du bei Rädern wie dem Giant Reign E+ besser aufgehoben. Legst du allerdings Wert auf die Attribute des Stereos, möchtest aber alle Trail-Varianten gerne fahren, dann haben wir hier noch ein paar Tuning-Tipps für dich, damit du mit dem Cube deinen optimalen Begleiter findest.

Verbesserungsmöglichkeiten

Mit ein paar Upgrades wird aus dem Stereo 160 ein potenteres Rad für den Einsatz auf steileren und ruppigen Trails. Ein breiterer Lenker gibt mehr Kontrolle, vorausgesetzt er passt zur Statur des Fahrers. Eine Variostütze mit mehr Hub wäre, je nach Rahmengröße, auch zu empfehlen um genug Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Die Magura Bremsanlage bietet theoretisch viel Kraft, allerdings nur mit den richtigen Bremsbelägen. Ab Werk kommt das Stereo 160 mit Comfort Bremsbelägen. Diese sind zwar sehr leise und steigern die Bremsleistung gleichmäßig bei höherem Zug am Hebel, bieten jedoch nicht die maximale Bremspower und brauchen bei jedem ersten Verzögern einen Moment, bis die Betriebstemperatur erreicht ist und ausreichend Bremsleistung zur Verfügung steht. Wir haben die Bremsbeläge im Testverlauf gegen Performance Beläge getauscht und eine deutliche Steigerung der Bremskraft festgestellt. Der Nachteil der Performance Beläge ist ein erhöhter Verschleiß und stärkere Geräusche beim Bremsen. In unseren Augen ist die erhöhte Bremsleistung bei einem abfahrtsorientiertem E-Bike mit über 24 kg allerdings wichtiger.

Zusammengefasst

Das Stereo Hybrid 160 SL von Cube ist ein Top E-Enduro für Biker, die gerne kurvige Trails mögen und ein E-Bike suchen, das sich leicht und schnell durch den Trail bewegen lässt. Bei aggressiver Fahrweise in verblocktem Gelände kommt das Stereo schneller an seine Grenzen. Mit ein paar Verbesserungen macht das Stereo aber auch auf ruppigen Trails eine gute Figur.